Saatgut-Karawane 3.-12.06.2016

Zum aktuellen Blog auf Junge-AbL gehts hier: Tagebuch der Saatgut-Karawane

Wir leben in einer Zeit in der Hybridsorten im Saatgutsektor zur Norm werden und mit zunehmender Intensität daran gearbeitet wird, gentechnisch veränderte Pflanzen als gefahrlos zu erklären bzw. mit Hilfe „neuer Züchtungstechniken“ den Eindruck zu vermitteln, es handele sich gar nicht um Gentechnik.  Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen müssen Möglichkeiten zum Erhalt und Ausbau einer bäuerlichen, standortangepassten Saatgutversorgung gefunden werden. Klimawandelbedingte extreme Wetterereignisse, wie anhaltende Trockenheit, erhöhen den Bedarf für lokal anpassungsfähiges Saatgut, das flexibel auf unstete Bedingungen reagieren kann. Jede Bäuerin und jeder Bauer sollte die Möglichkeit zur selbstbestimmten Nutzung solchen Saatguts haben. Häufig werden die für den Standort des Hofes benötigten Sorten aber nicht gezüchtet bzw. zum Verkauf nicht zugelassen. Dies ist auch durch das Saatgutverkehrsgesetz bedingt, das zu einer Einengung des Angebots auf dem Saatgutmarkt beiträgt.

Aus Sicht der jungen AbL ist es unerlässlich, dass Landwirte unabhängig und standortangepasst arbeiten und handeln können, um selbstbestimmt und den natürlichen Umweltbedingungen entsprechend entscheiden und einen nachhaltigen Anbau garantieren zu können. Das Recht auf Saatgut ist hierfür eine Grundvoraussetzung, insbesondere für die Umsetzung von Ernährungssouveränität und den Erhalt der Nutzpflanzenvielfalt. 

 

Auf die Kamele: Die Saatgutkarawane

Idee der Karawane ist der direkte Austausch mit Bäuerinnen und Bauern, die aktiv Saatgutarbeit betreiben. Dabei wollen wir nicht in einem Hörsaal sitzen und passiv zuhören, sondern Höfe in Süddeutschland, der Schweiz und Frankreich besuchen, auf denen Saatgutarbeit aus der Landwirtschaft heraus geleistet wird. Gemeinsam möchten wir uns intensiv mit Themen wie Saatgutnachbau, -züchtung, -austausch und -lagerung auseinandersetzen. Wir möchten uns auf Getreidesaatgut konzentrieren, da diesbezüglich im Vergleich zu Gemüsesaatgut noch wesentlich weniger Vernetzung stattgefunden hat.

Ablauf

Der Reise wird ein Seminar vorangestellt, bei welchem wir uns gezielt mit den politischen Hintergründen sowie der aktuellen Gesetzeslage auseinandersetzen wollen und uns zudem im Dokumentieren und Aufbereiten der Karawane schulen lassen werden. Dazu werden wir während des Seminars ein Medientraining gestalten. Während der Reise wird es auf unserer Homepage außerdem einen Blog geben, über den wir unsere Erlebnisse teilen. Das Seminar findet vom 3.-5. Juni in der Jugendherberge Gießen statt. Nach dem Seminar werden wir uns vom 6.-12. Juni Höfe anschauen. Genauere Infos findest Du weiter unten! 

Unsere Ziele

  • bäuerliche Saatgutarbeit sehen und verstehen
  • rechtliche Rahmenbedingungen beleuchten und hinterfragen
  • das Erlebte in Form einer schriftlichen Dokumentation festhalten und nach unserer Reise im Rahmen von Informationsveranstaltungen und Publikationen verbreiten
  • Erfahrungen für unsere eigene Arbeit in der Landwirtschaft sammeln  

1

Freitag 3. Juni bis Sonntag 5. Juni
Seminar
Jugendherberge Gießen

2

Sonntag 5. Juni Nachmittag
Züchtung
Dottenfelderhof bei Frankfurt

3

Montag 6. Juni 10:00 Uhr
Hofbesuch in Baden-Württemberg

4

Montag 6. Juni 14:00 Uhr
Hofbesuch in Baden-Württemberg

5

Dienstag 7. Juni
Keyserlingk-Institut und Hof
Am Bodensee

6

Mittwoch 8. Juni Vormittag
Hof am Bodensee

7

Mittwoch 8. Juni Nachmittag
Fahrt nach Frankreich

8

Donnerstag 9.Juni
Hofbesuch in Frankreich

9

Donnerstag 9.Juni Nachmittag
Hofbesuch in Frankreich

10

Freitag 10. Juni
Besuch von Höfen in Frankreich

11

Samstag 11. Juni
Hofbesuch in der Schweiz

Sonntag 12. Juni
Rückfahrt nach Deutschland 

 

Hinweis: Unser Programm hat sich kurzfristig noch etwas geändert - die Angaben im Text stimmen dennoch. Wenn ihr dazu kommen möchtet, kontaktiert uns bitte, damit wir einen Treffpunkt mit euch ausmachen können!


Während der Reise werden wir mit Bussen unterwegs sein, uns selbst bekochen und in Zelten schlafen. Eine Kerngruppe von 18 Menschen wird von Anfang bis Ende dabei sein und auch die Dokumentation und Nachbereitung übernehmen. Dank unserer Sponsoren wird der Teilnahmebeitrag der Saatgut-Karawane sich auf 30 Euro belaufen.

Das Seminar kann auch unabhängig von der Reise besucht werden, es gibt 25 Plätze hierfür und kostet 15 Euro. Das vorläufige Programm findest du unten.

Zusätzlich möchten wir dazu einladen, sich für einen oder mehrere Tage zu uns zu gesellen, die Höfe mit zu besuchen und ins Gespräch zu kommen. Auf der Karte ist zu sehen, an welchen Tagen wir in welchen Regionen Station machen werden, wir freuen uns über Menschen die mit dem Privat-PKW anreisen und für eine Teilstrecke dazustoßen!


Wenn du Lust hast mitzumachen oder Fragen hast, dann schreib uns gerne:

 

 

Seminarprogramm:

Freitag:

bis 18:00 Uhr: Anreise und Essen

ab 19:00 Uhr :

(1) Input Bund Deutscher Pflanzenzüchter zum Nutzen des Sortenschutzes
und Entwicklung der Pflanzenzüchtung

(2) Input Anja Christinck zum Internationale Sortenschutz (UPOV) und
Menschenrechten

 

Samstag:

Vormittag

(1) Andreas Riekeberg: Einführung in die Europäische Saatgutgesetzgebung

(2) Gentechnik in Europa

Nachmittag:

(3) Eva Gelinsky: Wie stellt man gentechnikfreie Saatgutarbeit sicher?
Wie ist der Saatgutmarkt weltweit aufgestellt?

(4) Medientraining I und Vorbereitung der Saatgutkarawane

Abend: Film

 

Sonntag

Vormittag

(5) Medientraining II

 

Nachmittag

(6) Anjana Pregitzer: Besuch der Forschung und Züchtung Dottenfelderhof,
Einführung in die Mais-Populationszüchtung

 

Einige Informationen über uns

Wir sind junge und angehende LandwirtInnen, StudentInnen und junge Menschen mit Interesse an landwirtschaftlichen Themen und wir engagieren uns in der jAbL (junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft). Mehr über uns erfährst du hier.

Die AbL ist Teil der weltweiten Bewegung „La Via Campesina“, die sich für die Rechte von Kleinbäuerinnen und -bauern stark macht.
Mehr Infos zum Thema Saatgutsouveränität gibt es hier.